Keine Pflanzaktion in Prora!

Prora: Keine Pflanzaktion am Ortseingang – Ob die Proraner damit einverstanden sind? Wir denken NICHT!

Binz. Zu teuer, zu aufwendig, zu gefährlich: Die Mehrheit der Gemeindevertretung lehnt eine Übernahme von Teilflächen des Straßenbauamtes ab. Dabei handelt es sich um zwei Grundstücke auf dem Streifen zwischen der Bahnschiene und der L 29 aus Richtung Binz kommend bis zur Ampelkreuzung Prora. Die erste Teilfläche vom Netto bis Bahnhof Binz West wäre dabei „kostenneutral“, für die zweite Teilfläche von West bis zum Knoten Prora müsste sich die Gemeinde mit schätzungsweise 20 000 Euro an den Vermessungskosten beteiligen. Auf der jüngsten Gemeinderatssitzung sprachen sich die Fraktionen Wählergemeinschaft Bürger für Binz (BfB), Wählergruppe „Aus der Mitte“ und der AfD-Volksvertreter bei beiden Beschlüssen gegen eine Flächenübernahme aus, die Fraktionen von CDU, SPD und Linke dafür.

„Wir haben einen Eingangsbereich von Binz, der nicht schön ist und die Chance, diesen zu gestalten“, hatte Gemeinderatsmitglied Heike Reetz (CDU) vor der Beschlussfassung erklärt und eine namentliche Abstimmung beantragt.

Anfang des Jahres gab es an den Bahngleisen zwischen dem Ortseingang Binz und Prora massive Fällungen. Der Waldbesitzer hatte die Arbeiten im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht durchgeführt, wozu er seitens der DB Netz AG, Regionalnetze, aufgefordert worden war. Der Kahlschlag hatte für Empörung und Unverständnis bei den Anwohnern und auf der ganzen Insel gesorgt.

Die komplette Wegnahme der Kiefern, Buchen und Roteichen stelle seither in der Proraer Allee mit Kita und Kinderspielplatz auch eine Lärm- und Schmutzbelastung durch den Verkehr auf der L 29 dar, unterstrich Heike Reetz. „Es ist eine extreme Emissionsbelastung für die Menschen, die dort leben. Ich verstehe nicht, warum wir nicht das Zepter in die Hand nehmen, um es schön zu gestalten.“

„Warum nicht auch mit einer langen Fläche, die beleuchtet wird“, schlug CDU-Chef Ulf Dohrmann vor. Dies würde zum Ortseingang Binz hin einen „Wow-Effekt“ erzielen. „Wir hätten die Planungshoheit und könnten auch mal revolutionär sein. Die Kosten sind überschaubar“, so Dohrmann. „Wenn alle nur Angst hätten, würde es Binz nicht geben.“

Die CDU-Fraktion hatte nach Gesprächen mit Bürgern im Mai zu einer gemeinsamen Pflanzaktion aufgerufen, die von Unterstützern finanziert und getragen wird. Sie sollte als Übergangslösung dienen, weil es trotz der notwendigen Aufforstung durch den Waldbesitzer eine Zeit dauere, bis die neu angepflanzten Bäume eine schützende Wirkung erzielen. Die Gemeinde hatte daraufhin Kontakt mit dem Straßenbauamt zum Flächenerwerb aufgenommen.

„Wir haben uns sehr kundig gemacht bei Fachleuten, die uns abraten. Die Gemeinde hat nur Kosten und Aufwand“, unterstrich hingegen Dr. Manuela Tomschin (Aus der Mitte). Zudem stehe die Gemeinde dann in der Verkehrssicherungspflicht. „Es ist nicht ungefährlich. Wenn ein Baum an die Oberleitung kippt, müssten wir dafür aufkommen. Warum sollten wir uns dieses Problem aufhalsen?“

Wegen der anfallenden Kosten für Verkehrssicherung, Begutachtungen, Versicherungen, Pflege und Müll könne man auch nicht von „kostenneutral“ sprechen, begründeten die Ablehner. Zudem würde wegen des erforderlichen Lichtraumprofils auf der ersten Fläche teilweise nur ein schmaler Streifen zwischen Radweg und Bahngleisen übrig bleiben, auf dem auch nichts gepflanzt werden könne. Die Gemeinde sollte darauf achten, das gefällte Gelände auf der anderen Seite der Gleise aufzuforsten.

Zu Beginn der Gemeinderatssitzung hatte Gemeinderatsvorsteher Mario Kurowski darüber informiert, dass an Bürgermeister Karsten Schneider eine Petition übergeben wurde. Diese hatte Zoja Maljuta auf der Plattform „openPetition“ unter dem Titel „Walderhaltung in Prora: Ausholzung sofort stoppen“ initiiert. Sie ist an die Gemeindeverwaltung, Gemeindevertretung, Kurverwaltung, Tourismuszentrale gerichtet und fand 705 Unterstützer aus ganz Deutschland.

Der Waldstreifen an der Proraer Allee sei zwar in Privatbesitz, aber auch ein Teil der Gemeinde und auch das Gesicht der ganzen Insel Rügen, heißt es in der Begründung. Es sollten alle Möglichkeiten genutzt werden, um sich mit dem Eigentümer zu einigen, was die Walderhaltung an dieser Stelle betrifft. Notfalls soll alles dafür getan werden, dass dieser Wald zurück in den Besitz der Gemeinde übergehe. Die Gemeinde solle sich um solche bedeutenden Räume innerhalb ihres Bereichs selbst kümmern, sie pflegen und erweitern, aber in keinem Fall minimieren.

Da es sich um eine private Fläche handele und die Gemeindeverwaltung keine Entscheidungen zu Flächenübernahmen einfach so treffen kann, ist die Petition der Gemeindevertretung übergeben worden. „Ich sehe auch keine Zuständigkeit“, so deren Vorsteher. „Aber wir wollen Frau Maljuta unterstützen.“

Quelle: Ostsee-Zeitung 15.11.2019

Keine Pflanzaktion in Prora!
Markiert in: